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Pingpong ist ideal zum Träumen, Flirten
(02.06.05)
 
«SonntagsZeitung» vom 15.5.2005, Seite 97
Der Pulsschlag des Sommers

Pingpong ist ideal zum Träumen, Flirten und kommt nie aus der Mode. Eine Hommage VON MARTINA BORTOLANI

Ich sage nicht Tischtennis. Ich sage Pingpong. Wie alle, die eben nicht Tischtennis, sondern Pingpong spielen. Das eine riecht nach Turnhalle und synthetischer Trainingsbekleidung, es ist Sport und Wettkampf mit Siegern und Verlierern. Beim Pingpong hingegen gewinnen alle.

Es ist ein pures, fröhliches Spiel und perfektes Understatement. So harmlos wie Flip- Flops und doch viel cooler. Ob im Garten, auf Garagevorplätzen im Familienquartier oder in der Badi, das klackende Aufschlagen des weissen Zelluloidballs macht den Pulsschlag des Sommers aus. Fünf persönliche Gründe inklusive eines Tipps, weshalb Pingpong und der Sommer zusammengehören wie Frauenfüsse und Jimmy- Choo- Sandalen.

1. Retro vom Feinsten
Ob den Schläger über die Haare ziehen ( « Zieht är? » ), Rundlauf oder Turniere auf elf – die Rituale am Pingpongtisch lassen einen von früher träumen. Es weckt Erinnerungen an erste Teenie-Flirts. Oder an den ersten Kuss: im Stadtpark, auf dem steinernen Pingpongtisch. Als Generationensport für Jung und Alt kommt Pingpong wirklich nie aus der Mode. Und heute tragen wir sogar wieder dieselben Kapuzenjäckchen und die identisch geschnittenen Eighties- Badehosen wie damals, als aus den Boxen unseres SK- 550- Pioneer- Ghettoblasters zum hundersten Mal der Rick- Astley- Song « Never Gonna Give You Up » schepperte.

Als wir dazu in weissen « Adicolor » ( die Streifen mit Neontönen eingefärbt) tanzten. Gut zu wissen: Den Schläger über die Haare zu ziehen, macht tatsächlich Sinn. Marius Widmer, Schweizer Topspieler, erklärt: « Je klebriger die Oberfläche, desto griffiger der Schlag. »

2. Schnell ein Profi
Eine Saison Amateurausdauersport reicht und der Netzroller sitzt, mit dem Schmetterball lässt sichs bluffen und lange Ballwechsel häufen sich. Pingpong lernt man relativ schnell. Wer vom Hobbysportler zum Crack avancieren möchte, dem bietet sich schweizweit die Gelegenheit, an so genannten Turnieren für « Unlizenzierte » teilzunehmen.

Gut zu wissen: Der Schweizer Tischtennisverband ( www.sttv.ch) bietet jede Menge Adressen und Termine. Für die Nachwuchsförderung lancierte der Ausrüster Stiga eine « Stiga School Trophy » . Tourneedaten finden sich unter: www.school-trophy.ch

3. Besser als tanzen
Anfänger sehen jeweils aus, als würden sie Schmetterlinge fangen. Ihnen seien die ungelenken Verrenkungen noch verziehen. Doch mit fortschreitender Spielstärke gilt die Regel: Am Kettlertisch entscheidet sich der Sexappeal eines Menschen. Während einige Frauen juchzen und hüpfen bei jedem Ball – frivoler als in Bilitis- Filmen – , gibt es Männer, die sehen jeden Return als traumatischen Befreiungsschlag. Sexy ist beides nicht. Nett hingegen, wer im richtigen Verhältnis Eleganz und Powerplay mischt. Als Zuschauer bietet sich einem wunderbar Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen mal ein bisschen zu studieren. Ähnlich wie beim spontanen Losrennen fühlt sich der Mensch auch am Pingpongtisch in seiner Konzentration unbeobachtet.

Gut zu wissen: Frauen sollten nur ausnahmsweise im Bikini spielen und immer ein Shirt tragen. Und Männer, die Frauen gewinnen lassen, sind uncool.

4. Psychohygiene, Meditation und Gesundheit
Egal, gegen wen Sie spielen, ein rasantes Spiel ist genauso effizient wie eine Stunde beim Psychoanalytiker. Das spielerische Aufeinanderprallen von Aggression, Ehrgeiz und Banalität (des Spiels) machen den Kopf frei für das Wesentliche. En passant praktiziert man beim Pingpong die hohe Kunst des Zen. Einzig der Moment gilt. Jeder Ball wird neu gespielt, das rhythmische Hin und Her hat etwas Meditatives. Zum Runterkommen ist das ideal.

Gut zu wissen: Das deutsche Fitnessmagazin « Fit For Fun » untersuchte 2004 das Gesundheitsund Sportverhalten der Deutschen und kam auf eindrückliche Resulate. Tischtennis als « beliebteste Sportart » ( mehrmals die Woche) figuriert mit 11,4 Prozent nur ganz knapp hinter dem Volkssport Tennis (11,7 Prozent). Vor zehn Jahren huldigten noch dreimal weniger Menschen dem Zelluloidball.

5. Flirtzone Nummer eins
Es ist kein Klischee. Nur die Zone um den Töggelikasten hat etwa die gleich hohe Anzahl geknüpfter Flirtkontakte pro Quadratmeter wie der Tischtennistisch. Beim Rundlauf geht es ziemlich schnell heiss zu und her. Gut zu wissen: Der Zürcher Elektro- DJ P. Bell initiiert in unregelmässigen Abständen Partys mit Livesets, an denen auch Pingpong gespielt wird. In Anlehnung an den unter DJs verbreiteten Auflagestil « Pingpong » ( abwechslungsweise auflegen) kann man zu gutem Sound um den Tisch springen. DJ P. Bell ist ein grosser Fan des Spiels: « Im Skilager haben wir gespielt bis zum Umfallen. Und heute lernt man die besten Girls am Pingpongtisch kennen. »

Geschrieben von: SonntagsZeitung
 
 
 
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